Gicht (Hyperurikämie)

Gicht ist eine so genannte Wohlstandskrankheit (früher wurde sie "Krankheit der Könige" genannt) und kaum eine Gelenkserkrankung ist so schmerzhaft wie sie. Von Gicht sind vor allem Männer zwischen dem 30. und 59. Lebensjahr betroffen.

Was ist ein Gichtanfall und wie kommt es dazu?

Ein opulentes mehrgängiges Abendmenü, mit Innereien, fettem Fleisch und geräuchertem Lachs beispielsweise dazu reichlich Alkohol - ein solch kulinarischer Genuß gilt als klassischer Auslöser für einen Gichtanfall. Der Gichtanfall, welcher in 60 % der Fälle das Grundgelenk der großen Zehe betrifft (rötlich-violette Schwellung, Schmerzen), tritt bevorzugt während der Nachtstunden auf und das zumeist völlig überraschend. Andere betroffene Stellen sind Schulter-, Hand- und Kniegelenk.

Ursache dafür ist die Harnsäure - ein Abbauprodukt der Purine, welche in fast allen Lebensmitteln in unterschiedlicher Menge (siehe Tabelle) vorkommen. Sie sind Bestandteile der Zellen und im besonderen der Zellkerne. Aufgrund dieser Tatsache enthalten vor allem zellkernreiche Gewebe wie z. B. Innereien, Fleisch, Fisch viele Purine.
Bei übermäßigem Konsum von Alkohol kann es zu einem Anstieg von Milchsäure im Blut kommen, welche wiederum die Harnausscheidung der Niere vermindert.

Normalerweise wird überschüssige Harnsäure durch die Nieren ausgeschieden. Ist jedoch der Stoffwechsel gestört d. h. wird mehr Harnsäure gebildet oder Harnsäure im Körper zurückgehalten, steigt der Harnsäurespiegel des Blutes an. Als Folge daraus lagern sich Harnsäurekristalle in Geweben, in den Nieren oder den Gelenken ab und verursachen vor allem in den Gelenken akute schmerzhafte Entzündungen.
An den Fingern, Füßen, Schleimbeuteln sowie am Ohrläppchen können sich so genannte Gichtknoten ausbilden.

Ein einzelner Gichtanfall hat meist noch keine bleibenden Folgen. Treten aber die Anfälle in immer kürzeren Abständen auf oder wird sie gar chronisch, kommt es zur Zerstörung des Gelenksknorpels, der Knochen und der Sehnen. Dauernde Gelenksschmerzen, verbunden mit Bewegungseinschränkungen, sind die Folge.

 

Welche Formen von Gicht sind bekannt ?

1. Primäre Gicht

Sie beruht in den allermeisten Fällen auf einer angeborenen Störung der Harnsäureausscheidung und kommt am häufigten vor. Bei den Betroffenen wird ein Gichtanfall zumeist aufgrund eines "Diätfehlers" wie beispielsweise durch

bulletdie Aufnahme purinreicher Nahrung (vlg. Tabelle),
bulletden übermäßigen Konsum von Alkohol oder
bulletstrenges Fasten ausgelöst.

2. Sekundäre Gicht

Sie tritt weitaus seltener auf und gilt als Folgeerscheinung anderer Erkrankungen bei denen entweder

bulletmehr Harnsäure gebildet wird als die Niere ausscheiden kann oder
bulleteine Ausscheidungsstörung der Niere (kann medikantös bedingt sein) vorliegt.

 

Welche Anzeichen für Gicht gibt es ?

bulletDie Harnsäurekonzentration des Blutes (Normalwert: ) steigt über mehrere Jahre hinweg an und die Wahrscheinlichkeit einen Gichtanfall zu erleiden wird immer größer.
bulletJede plötzlich auftretende Entzündung eines einzelnen Gelenks ist gichtverdächtig.

Suchen Sie bei jeglichem Verdacht alsbald den Arzt/die Ärztin Ihres Vertrauens auf oder holen Sie Erkundigung bei Ihrem Apotheker oder Ihrer Apothekerin ein.

 

Wie wird die Gicht behandelt ?

Die vom ArztIn erstellte Diagnose wird durch das typische Krankheitsbild und die Krankengeschichte gestellt. Mittels einer Blutuntersuchung kann die Höhe des Harnsäurespiegels bestimmt werden. Auch Röntgenuntersuchungen der betroffenen Gelenke sowie eine Untersuchung der Gelenksflüssigkeit geben Aufschluß über die Erkrankung.

Die Gicht ist in den allermeisten Fällen gut behandelbar. Der Behandlungsschwerpunkt liegt anfangs in der raschen Beseitigung der Schmerzen, danach gilt es die Harnsäurewerte mittels Medikamente und Ernährungsumstellung wieder zu normalisieren.

bulletAchten Sie auf den Purin-/bzw. Harnsäuregehalt der Lebensmittel (vgl. Tabelle). Bei purinarmer Kost liegt die maximale tägliche Harnsäureaufnahme bei 500 mg (bei streng purinarmen Kost: 300 mg pro Tag).
bulletKontrollieren Sie regelmäßig ihr Gewicht bzw. verringern Sie vorhandenes Übergewicht und sorgen Sie für ausreichend Bewegung.
bulletTrinken Sie reichlich, mindestens 2 Liter pro Tag (z. B. Mineralwasser, Tee, Fruchtsaft verdünnt).
bulletVorsicht bei alkoholischen Getränken.
bulletEssen Sie vollwertig und abwechslungsreich:

Viel Obst, Gemüse, Salat, Kartoffeln und Vollkornprodukte sowie magere Milchprodukte.
Hochwertige Pflanzenöle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren (z. B. Raps-, Distel- oder Olivenöl).
Wählen Sie fettarme Lebensmittel (z. B. mageres Fleisch und Wurstwaren) und Zubereitungsmethoden (z. B. speziell beschichtete Pfanne verwenden, garen, dünsten, dämpfen).

Tabelle: Purin-/Harnsäuregehalte ausgewählter Lebensmittel

1. Purin-/harnsäurefreie bzw. sehr purinarme Lebensmittel sind:

Harnsäure in mg

1 Glas Trink- oder Buttermilch oder 200 ml Joghurt

0

1 Scheibe Emmentalerkäse, 30 g oder 1 Ei (60 g)

3

1 mittelgroße Tomate (80 g)

8

1 mittelgroßer Apfel (150 g)

23

1 Portion Reis, poliert und gekocht, 150 g

38

 

 

2. Mittlere Purin-/Harnsäuremengen sind enthalten in:

 

1 Portion (200 g) Weißkraut

40

1 Portion (100 g) Bohnen weiß

80

1 Portion (200 g) Spinat

100

1 Portion (200 g) Schollenfilet

130

100 g Schinken geräuchert

160

3. Große Purin-/Harnsäuremengen sind enthalten in:

 

1 Portion (100 g) Lachs oder Makrele geräuchert

170

1 Portion (150 g) Fleisch (Huhn, Rind, Schwein, Kalb)

210 - 355

1 Portion (100 g) Innereien (Leber, Nieren)

210 - 360

100 g Sojabohnen

220

1 Portion (100 g) Ölsardinen

350

1 Portion (100 g) Kalbsbries

900

 

Empfehlung der Ernährungswissenschaftlerin:

"Buntes Reisfleisch"

Zutaten für 2 Personen:

bullet2 TL Öl
bullet1 kleine Zwiebel (Knoblauch nach Belieben)
bullet125 g mageres Fleisch (Hühnerbrust, Kalb - faschiert oder klein geschnitten)
bullet80 g Naturreis
bullet300 ml Gemüsesuppe
bullet1 kleine Stange Lauch
bullet150 g grüne Bohnen
bullet1 kleine Karotte
bullet2 Tomaten
bulletSalz, Pfeffer weiß, Paprika scharf oder Curry
bulletFrische oder tiefgekühlte Kräuter (TK)
  1. Den Lauch und die Karotte waschen, putzen und kleinschneiden, Tomaten würfeln.
  2. Die Zwiebel im Öl, zusammen mit dem kleingeschnittenen Fleisch oder Faschierten, in einer großen, tiefen Pfanne anbraten.
  3. Den Naturreis und das vorbereitete Gemüse dazugeben und kurz mitandünsten.
  4. Mit Salz, Pfeffer und Paprika bzw. Curry würzen. Gemüsebrühe hinzufügen, aufkochen lassen und bei geringfügiger Hitze ca. 30 - 40 Minuten bei geschlossenem Deckel garen lassen. Abschmecken.
  5. Mit frischen gehackten Kräutern oder TK-Kräutern bestreuen und servieren. GUTEN APPETIT!!!!!

TIPPS!!:

Schneller geht´s mit einem Naturreis im Beutel. Diesen kochen und anschließend mit dem gerösteten Fleisch und das bißfeste Gemüse mischen.
Sehr gut paßt zu diesem Essen ein grüner Salat.
Sie können verschiedenstes Gemüse verwenden (Brokkoli, Paprika, Champignons, etc.) und nach Vorrat variieren - dann wird es nie langweilig!
Möchten Sie einen Hauch von Exotik - dann mischen Sie Kokos, Rosinen oder Ananas unter.

Pro Portion ca.: 315,5 kcal; 14 g Eiweiß; 11 g Fett; 38 g Kohlenhydrate, 89 mg Harnsäure